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GREEN BRANDS Umweltauszeichnung für PRIMAVERA LIFE

PRIMAVERA LIFE erhält Umweltauszeichnung GREEN BRANDS erneut

Hamburg (ots) – Dass nachhaltiges Denken und Handeln bei PRIMAVERA LIFE keine Lippenbekenntnisse sind, sondern nachprüfbar ganzheitlich und authentisch gelebt werden, wird mit der Umweltauszeichnung GREEN BRANDS Germany 2015/2016 erneut bewiesen.

Das Zertifikat wurde am Wochenende anlässlich des Rosenfests bei PRIMAVERA im Allgäu den Unternehmensgründern Ute Leube und Kurt L. Nübling überreicht. Die im Zuge des Generationenwechsels berufenen neuen Geschäftsführer Uta Landt und Titus Kaufmann freuten sich beim Übergabetermin auch sehr über die erneute Auszeichnung. Die erstmals 2013 an PRIMAVERA verliehene Auszeichnung GREEN BRANDS wurde in einem aufwändigen Re-Validierungsverfahren für weitere zwei Jahre bestätigt. Dabei werden umwelt- und nachhaltigkeitsaffine Parameter geprüft und mit den Daten der Ersterhebung aus 2013 verglichen. Unternehmenszweck, Umweltmanagementsysteme, Energie- und Ressourcenverbrauch, Abfallstrategien aber auch interne und externe Bewusstseinsbildungsmaßnahmen etc. kommen bei GREEN BRANDS somit immer wieder auf den Prüfstand. Absicht der Turnus-Prüfung ist die kontinuierliche Verbesserung der Werte.

Kontrolliert biologischer Anbau und Vielfalt – seit 1986

Seit Unternehmensgründung 1986 engagiert sich der Öko-Pionier PRIMAVERA für kontrolliert biologischen Anbau und biologische Vielfalt. Als führender Hersteller 100 % naturreiner ätherischer Öle und zertifizierter Bio- & Naturkosmetik unterhält PRIMAVERA seit nahezu 30 Jahren direkten Kontakt zu Anbaupartnern weltweit. Faire Verträge, zertifiziert biologischer Anbau sowie Abnahmegarantien sind in der eigenen Unternehmensphilosophie verankert. Die Herstellung der hochwertigen Gesundheitsprodukte aus den Bereichen Aromatherapie und zertifizierter Bio-Naturkosmetik findet ausschließlich am Firmensitz in Oy-Mittelberg statt. Jahrzehntelange Aromatherapie-Erfahrung und ein unerschöpflicher Wissensschatz um die Heilsamkeit ätherischer Öle und nativer Pflanzenöle machen die PRIMAVERA-Produkte nicht nur besonders wirksam, sondern stehen auch für naturverbundene Authentizität. PRIMAVERA beschäftigt am Firmensitz 185 Mitarbeiter und ist heute in 28 Ländern vertreten.

Kurt Ludwig Nübling, Unternehmensmitgründer, freut sich über die guten Ergebnisse der GREEN BRANDS Re-Validierung: „Wir sind zu 100 % von der Natur abhängig und können nicht ohne sie leben. Wenn wir uns nicht mit aller Kraft für ihren Erhalt einsetzen, entziehen wir uns unsere eigene Lebensgrundlage. GREEN BRANDS untersucht die Verankerung des Umweltgedankens in den Betrieben. Es ist gut, dass wir nun ein aussagekräftiges Siegel haben, das unsere täglichen Anstrengungen darstellt.“

Norbert Lux, CCO der internationalen GREEN BRANDS Organisation: „Die Gelegenheit, das Zertifikat zu den GREEN BRANDS Germany 2015/2016 an das Management von PRIMAVERA anlässlich eines so großartigen Festes zu überreichen, ist einzigartig. Das hervorragende Resultat der Re-Validierung von PRIMAVERA bestätigt eindrucksvoll, dass das Unternehmen keine grüne Lippenbekenntnisse betreibt, sondern Nachhaltigkeit von Grund auf sehr ernst nimmt und täglich mit seinem Handeln bestens praktiziert. Dies gilt nicht nur für den Moment sondern seit Jahrzehnten hinweg. Ich bin mir sicher, dass der eingeschlagene Weg nicht verlassen wird. Ganz im Sinn der Bewahrung der Schöpfung auch für die Enkelkinder unserer Enkelkinder.“

Uta Landt und Titus Kaufmann – beide PRIMAVERA-Geschäftsführer – sind sich einig, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Bio-Bereich kontinuierlich im Wandel befinden. Umso wichtiger ist es, dem Markenkern in seiner Bandbreite treu zu bleiben. Uta Landt: „Wir werden alles daran setzen, diese unternehmerische Vorbildfunktion von PRIMAVERA im Bereich Nachhaltigkeit weiter zu festigen und unsere Bio-Sortimente stetig zu verbessern.“

Über GREEN BRANDS

GREEN BRANDS – seit 2011 in Österreich und 2012 in Deutschland aktiv. Die internationale, unabhängige Brand-Marketing-Organisation GREEN BRANDS zeichnet nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und ökologisch orientierte Unternehmen aus. Mit dem GREEN-BRANDS-Siegel werden Marken geehrt, die nachweisbar ökologische Nachhaltigkeit praktizieren und somit eine hohe nationale, wie internationale Anerkennung verdienen. Mittelständische Unternehmen stehen im besonderen Fokus der Jury, die mit Institutionen aus den Bereichen Umwelt-/Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit, aber auch aus den Bereichen der Marktforschung zusammenarbeitet. Durch den turnusmäßigen Datenabgleich soll das Bewusstsein für eine kontinuierliche Verbesserung der Werte unterstützt werden.

Weitere Infos über www.Green-Brands.org

Pressekontakt:

Norbert Lux
Tel: 0911 – 97 99 599
email: Norbert.Lux@green-brands.org

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Green Franchise Award 2015 geht an SONNENTOR

SONNENTOR erhält den Green Franchise Award für das am nachhaltigsten standardisierte und ganzheitlich ausgerichtete Konzept.

Nachhaltiges Franchising zahlt sich aus

Nachhaltiges Franchising zahlt sich aus | Green Franchise Award | Bildquelle: „obs/Deutscher Franchise Verband e.V.

Der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV) zeichnete im Mai 2015 zum dritten Mal in Folge das Franchisesystem mit dem Green Franchise Award aus, das in den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Kultur und/oder Soziales vorbildlich aufgestellt ist und langfristig nachhaltig agiert.

Bis zum 27. März 2015 konnten sich alle deutschsprachigen Franchisesysteme für diesen Preis bewerben.

Für den Green Franchise Award 2015 nominiert

•  Das Café und die Kaffeerösterei Samocca aus Deutschland
•  Die Kräuterhandelsgesellschaft SONNENTOR® aus Österreich
•  Der Textilhersteller SWITCHER aus der Schweiz

Die Teilnehmer sollten konkrete Nachhaltigkeitsziele, -strategien, -konzeptionen und -Maßnahmen vorweisen sowie nachvollziehbar vermitteln, diese in ihrer Organisation umsetzen. Entscheidend sind dabei die Glaubwürdigkeit des Engagements sowie die Sinnhaftigkeit der einzelnen Maßnahmen.

Die Franchisesysteme Town & Country Franchise Lizenzgeber GmbH sowie SONNENTOR Kräuterhandels GmbH hatten bereits 2013 und 2014 eindrucksvoll bewiesen, wie man ein Franchisesystem nachhaltig führt und all diese Aspekte in seinem Franchisesystem ganzheitlich und nachweislich integriert.

Die diesjährige Preisverleihung fand am Dienstag, den 12. Mai im Rahmen der Abendgala des Franchise-Forums 2015 in Berlin statt.

Zusätzlich zum Green Franchise Award ehrte der Verband auch seine eigenen Mitgliedsunternehmen für besondere Leistungen in folgenden Kategorien:

  1. DFV-Franchisesystem des Jahres
  2. DFV-Franchise Marketing Award
  3. Bestes junges DFV-Franchisesystem der letzten fünf Jahre
  4. DFV-Gründerpreis für Franchisenehmer

Der Gewinner des Green Franchise Award 2015

SONNENTOR konnte konnte auch im Jahr 2015 die Jury mit dem am nachhaltigsten standardisierten und ganzheitlich ausgerichteten Konzept überzeugen. Laudatorin Anne-Kathrin Heuer, Geschäftsführerin des Wirtschaftsrates der Deutschen Umweltstiftung, betonte den besonders vorbildlichen Umgang des Unternehmens mit seiner Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft sowie die konsequent nachhaltige, sozialverträgliche Wirtschaftsweise, die den Gedanken der Ganzheitlichkeit auch an die Franchisenehmer transportiert.

„Nachhaltigkeit wird hier in allen Unternehmensbereichen gelebt und auf herausragende Weise umgesetzt.“

Weitere Informationen zu den DFV-Franchise Awards erhalten Sie auf der DFV-Website.

Der Deutsche Franchise-Verband e.V. vertritt die Interessen der deutschen Franchisewirtschaft im nationalen und internationalen wirtschaftspolitischen Umfeld. 2013 erwirtschafteten rund 1.000 Franchisegeber gemeinsam mit mehr als 76.500 Franchisenehmern und circa 525.300 Mitarbeitern etwa 62,8 Milliarden Euro Umsatz.

Pressekontakt:

Isabel von Vegesack
Luisenstraße 41, 10117 Berlin
Tel. 030/ 278 902-12
E-Mail: von.vegesack@franchiseverband.com

 

Transition Town Initiativen - Vertical Gardens
Nachhaltigkeit

Transition Town – „Stadt im Wandel“

Die Transition Town – das Modell einer zukunftsfähigen, ganzheitlich nachhaltigen Gesellschaft?

Nach der erneuerbaren Glühbirne fragen wir uns, was das alles für einen Sinn hat mit der ewigen Mülltrennung, dem Kurzduschen und dem teuren Bioeinkauf. Gerade wenn wir unter unserer kalten Halogenbeleuchtung sitzen, die im Restposten erworbenen Leuchtstoffmittel unseres Nachbarn dauerbrennen sehen und er, wie immer, seine Tüte Gemischtmüll in den Container wirft, kann das Gefühl der Sinnlosigkeit eines einzelnen Klimawandelverhinderers einen überwältigen.

Transition Town Initiativen – auch Städte im Wandel genannt – begegnen diesem Gefühl in der Gemeinschaft. Die im Positiven Sinne treibenden Assoziationen hinter der Bewegungs sind die seit Jahrzehnten anhaltenden Nagativtrends: Maximierung der Ölförderquote, Globalisierung, Raubau, Artensterben und Klimawandel. Mit all ihren Bestrebungen zielen Transition Town Initiativen darauf ab, die lokale Autonomie nachhaltig zu stärken, indem sie sich unabhängig von nicht-erneuerbaren Ressourcen machen und ihre Kohlendioxidemissionen verringern.

Hinter dem Sammelbegriff „Transition Town“ verbergen sich Gemeinden, Dörfer, Städte, ganze Inseln und projektorientierte Initiativen. Der offizielle Status „Transition Town“ kann beim weltweiten Dachverband in Großbritannien beantragt werden, wenn die angestrebte Stadt im Wandel eine Reihe von Kriterien erfüllt, darunter die Bereitschaft von vier bis fünf Menschen eine Führungsrolle zu übernehmen und sich mit anderen bestehenden lokalen Initiativen zu vernetzen.

Väter der Transition Town Bewegung im Jahre 2006 sind Rob Hopkins and Naresh Giangrande. Aus ihren Bemühungen erwuchs der Dachverband „Transition Town Network“. Heute bietet das Netzwerk Schulungen für Initiativen dazu an, wie Sie den Wandel in Ihrer Gemeinde vorantreiben können.Die Bemühungen und Aktionen einer Stadt im Wandel rangieren von Basisaktionen, wie dem gemeinschaftlichen Anbau von Hochbeeten, über die Zusammenarbeit mit lokalen Firmen, um die lokale Lieferung erneuerbarer Energien zu fördern, bis hin zu der Etablierung von alternativen Währungssystemen.

Tatsächlich liegt in der Praxis der Fokus vieler Transition Towns auf dem Thema Essen. Sie legen urbane Hochbeete an, verstehen etwas von Permakultur und zielen darauf ab, sich nachhaltig mit selbst angebauten Lebensmitteln zu versorgen.Ein Schwerpunkt vieler Initiativen ist es auch, die breite Öffentlichkeit über bereits bestehende lokale Projekte und Einrichtungen mit ähnlichen Grundsätzen zu informieren. Auf der Website einer Stadt im Wandel in Thüringen findet man beispielsweise alle Läden, Cafés und Restaurants in der Stadt, die ökologisch hergestellte Lebensmittel, Kinderkleidung usw. anbieten.Die höchste Disziplin einer Stadt im Wandel ist der Entwurf und die Umsetzung eines „Energy Descent Plans“ (EDAP) in Zusammenarbeit mit der lokalen Kommune.

Gegenwärtig gehen die Planungen der meisten Kommunen weiterhin von zukünftig steigender Produktivität, Finanzkraft, Energievorkommnis und ökonomischem Wachstum aus. Mit einem EDAP geht die Transition Town Bewegung von einem Trend aus, bei dem diese Faktoren in naher Zukunft abnehmen. Die Stadt im Wandel will auf lokaler Ebene ein Plan B zur aktuellen wirtschaftlichen Abhängigkeit von Erdöl und bestehenden Wirtschaftskreisläufen liefern.

Die Transition Town: Wegweiser in eine nachhaltige Zukunft?

Seit 2006 haben sich weltweit knapp 500 offizielle Transition Town Initiativen und mindestens genauso viele noch nicht zertifizierte Städte im Wandel gegründet. Deutschlandweit sind es rund 100, viele noch in der Gründung befindlich. Es hat sich mit dem „Transition Research Network“ auch ein Forschungszweig um die Transition Town Bewegung herum etabliert.

Die Grundsätze der Stadt im Wandel Bewegung zeigen sich aber auch seit einigen Jahren in zahlreichen unabhängigen Initiativen, gerade in Ballungsräumen. So werden Kleidertauschpartys veranstaltet, das Anlegen von Kleingärten auf Freiflächen und Häuserdächern hält als „urban gardening“ Einzug in den städtischen Raum, Privatleute bieten ihre PKWs auf Carsharing-Seiten zur Vermietung an und unter dem Motto „free your stuff“ verschenken Menschen Dinge über Online-Plattformen, anstatt sie wegzuschmeißen. Downshifting, oder „freiwillige Einfachheit“, eine der Grundprinzipien von Transition Town Initiativen, zeigt sich also in zunehmendem Maße gesamtgesellschaftlich.

Die Gesellschaft bewegt sich. Die Frage ist, welche Rolle Transition Towns bei dieser Entwicklung spielen? Braucht es diese bereits vorgedachten Initiativen mit ihrem Dachverband, einer Führungsstruktur und Instruktionen dazu, wie dieser Wandel am besten zu fördern ist, um die Menschen einer Stadt zu bewegen, wenn eine bottom-up Bewegung sowieso schon im Gange ist?

Eine organisierte Bewegung bietet vor allem die Chance darauf, noch größere gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf die Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit und ökologische Lebensweise in der Gemeinschaft zu lenken. Noch findet die Arbeit der meisten Stadt im Wandel Initiativen an der Basis statt und ist nicht sonderlich öffentlichkeitswirksam; die MitstreiterInnen sind überwiegend Aktivisten, nicht Lobbyisten. Mit der Ausweitung ihres Bestrebens, sich zu vernetzen, zu informieren und zu beraten, birgt diese Bewegung allerdings das Potenzial, eine essenzielle gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

Nachhaltigkeit

Der Ehrbare Kaufmann

Was wir von REWE-Chef Alain Caparros lernen können

Ein Gastbeitrag von Dr. Alexandra Hildebrandt, zuerst erschienen auf huffingtonpost.de.

Sie ist Expertin für Nachhaltigkeit, Buchautorin und Wirtschaftspsychologin. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) arbeitete sie unter der Präsidentschaft von Dr. Theo Zwanziger von 2010 bis 2013 in der Kommission Nachhaltigkeit. Sie ist Autorin und Herausgeberin, Hochschuldozentin und Co-Publisherin der REVUE. Magazine for the Next Society und Nachhaltigkeit im Fußball.


DFB & REWE Press Conference

v. l. n. r.: Ulrich Lissek, Wolfgang Niersbach, Silvia Neid, Alain Caparros, Dr. Theo Zwanziger, Jan Kunath and Matthias Sammer während einer Pressekonferenz in einem REWE-Markt im November 2008 in Berlin – (Photo von Matthias Kern/Bongarts/Getty Images for DFB).

Was treibt REWE-Chef Alain Caparros an? Vielfalt statt Einfalt. Dazu gehört auch eine klare Haltung, die er sich ebenso von allen Politikern wünscht: dass sie sich gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz und humanitäre Hilfe einsetzen. „Deutschland ist wirtschaftlich stark, aber es muss auch ein Land der Offenheit und Integration sein und bleiben.“ (Focus 52/2014) Und es gehört für ihn dazu, den „Spirit der Selbstständigkeit“ zu fördern.

Seine Großmutter hatte einen Gemischtwarenladen. In den Schulferien war er immer bei ihr und hat neben der Kasse die gesamten Abläufe beobachtet. Vielfalt interessierte ihn seither genauso wie der Verkauf an sich. Der Handel faszinierte ihn vor allem, weil die Kunden hier täglich mit ihren Portemonnaies abstimmen: „Man kann jeden Abend an der Kasse ablesen, ob man erfolgreich war oder nicht.

Geboren wurde Caparros 1956 im Westen des seinerzeit noch zu Frankreich gehörenden Algerien. Sein Urgroßvater war dorthin ausgewandert, sein Vater dort selbständiger Mühlenbetreiber. Wie alle „Pieds noirs“ muss seine Familie 1962 das Land verlassen und zieht ins lothringische Pont-à-Mousson, wo Alain ein von Jesuiten geführtes Internat besucht. Es folgt ein Studium der Betriebswirtschaft in Metz und Saarbrücken.

Als Student gründet er gemeinsam mit Freunden ein kleines Unternehmen, denn schon als Jugendlicher möchte er möglichst unabhängig und selbständig sein. Sein Geschäft ist sehr einträglich – dennoch entscheidet er sich für die Fortsetzung des Studiums und gegen das Jungunternehmertum.

Die erste berufliche Station von Caparros ist die von dem gleichnamigen Unternehmer gegründete Kosmetik-Kette Yves Rocher, für die er bald für den deutschsprachigen Raum zuständig ist. Der Gründer wird auf ihn aufmerksam und macht ihn zu seiner rechten Hand in Paris. Caparros verdient viel Geld, doch er geht zu Aldi-Nord, wo er als Generaldirektor die Aktivitäten in Frankreich leitet. Im Nachgang behauptet er, einer der ersten Manager gewesen zu sein, die Aldi freiwillig verlassen haben. „In dem straffen Konzept konnte ich mich nicht entfalten. Und wenn ich mich nicht entfalten kann, werde ich schlechter.“

Die Zeit bei Aldi empfand er allerdings auch als wichtigen Prozess für seinen weiteren Karriereweg: Er lernte, was straffe Prozesse und Organisationen bewirken können und verinnerlichte Tugenden des Ehrbaren Kaufmanns wie Pünktlichkeit und Disziplin. Seine nächste Station ist Aldis Service plus. Gesellschafter dieses Gastronomielieferanten sind die Schweizerische Bon Appétit Group und der Metro-Konzern. Dort trifft er auf seinen Mentor, den Metro-Manager Erwin Conradi.

Caparros führte 2003, als damaliger Vorstandssprecher der schweizerischen „Bon Appètit Group“, die Verkaufsgespräche mit dem seinerzeitigen Rewe-Chef Hans Reischl. Heute ist er selbst Vorstandsvorsitzender der Rewe Group. Der Finanzinvestor KKR versuchte Anfang 2007, Kapitalanteile der Rewe Group zu übernehmen. Der Angriff wurde gemeinsam abgewehrt, in ihrer „Travemünder Deklaration“ bekannten sich Vorstand, Aufsichtsrat, Anteilseigner und Kaufleute zur genossenschaftlichen Struktur des Unternehmens.

Auf der REWE-Jahrestagung 2009 wurde die sogenannte Münchner Deklaration beschlossen, eine Art Verhaltenskodex zwischen Management und selbstständigen Kaufleuten. Im Rahmen dieser gemeinsam mit den REWE-Kaufleuten erarbeiteten Deklaration hat das Unternehmen definiert, was von den Kaufleuten erwartet wird und was sie von REWE erwarten können. „Unsere Kaufleute haben ein immenses Wissen in puncto Sortimente und Kunden. Deshalb sind wir jetzt schon bei den Themen Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit führend.“ (Rundschau für den Lebensmittelhandel, 9/2009)

Das Gremium ist für ihn ein Quantensprung in der Geschichte des Unternehmens. Es gibt den Kaufleuten nicht nur ein Empfehlungsrecht, sondern nimmt sie in die Verantwortung. Spirit der Selbstständigkeit.

Im Leben ist Vielfalt für Alain Caparros mit Charaktereigenschaften wie Humor, Menschenkenntnis, Intuition und situativer Intelligenz verbunden. Attitüden französischer Manager, die offen zur Schau getragene Nichtachtung der Gesprächspartner durch Zuspätkommen, nebenher geführte Handytelefonate oder ständiges Abschweifen von der Tagesordnung empfindet er als störend.

Zu seinem Führungsprinzip gehört auch, dass sein Büro stets offen ist: Jeder kann mit seinem Anliegen zu ihm kommen. Von Bewerbern fordert er, ihre Motivation für den Job authentisch zu begründen und auch außerhalb ihres Berufslebens ein glaubwürdiges Engagement für ein soziales, ökologisches oder kulturelles Anliegen nachzuweisen. Er möchte, dass sie in der Lage sind, mutig über den Tellerrand ihrer Karriere zu blicken. Die Fähigkeit, Komplexität zu bewältigen, indem sie weitestgehend reduziert wird, ist aus seiner Sicht die entscheidende Qualifikation der Zukunft. (Wirtschaftswoche, 5.1.2015)

Begegnungen mit Profilneurotikern verärgern ihn. Er ist für klare Verhältnisse und mag es nicht, wenn um den heißen Brei geredet wird. Er diskutiert und streitet, ist aber nicht nachtragend. Und er ist unkonventionell: So legt er bei seinen Reden häufig das Manuskript beiseite und spricht davon, dass sich jeder Mitarbeiter für mehr Nachhaltigkeit einsetzen sollte. Denn eine Vision von ihm ist, dass die fast 400.000 Mitarbeiter eines Tages den Job bei REWE nicht mehr nur als Lebensunterhalt sehen, sondern als Engagement für Nachhaltigkeit.

Die Zukunft der Lebensmittelbranche

Die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelbranche entscheidet sich für Caparros am Thema Nachhaltigkeit. Dazu gehört seine Überzeugung, dass nachhaltige Produkte einen Platz in der Vielfalt des Angebots haben werden, „den sie heute noch nicht haben.“ Nachhaltigkeit ist für ihn kein Trend und auch keine Marketingstrategie, sondern eine langfristig wirkende, erlebbare Haltung des Unternehmens. Wenn sich Unternehmen heute nicht mit Nachhaltigkeit befassen, dann katapultieren sie sich seiner Meinung nach langfristig selbst aus dem Markt.

Nach Ansicht von Wolfgang Scheunemann, Initiator und Veranstalter des Deutschen CSR-Forums und Geschäftsführer der Stuttgarter Fachberatung dokeo, kommen von Großunternehmen häufig die entscheidenden Impulse für Zulieferer, sich nachhaltig auszurichten. „Wer nicht mitzieht, läuft Gefahr, aussortiert zu werden“. Doch unabhängig davon, ob ein Unternehmen nach den Nachhaltigkeitsvorgaben des größten Auftraggebers oder nach eigenen, womöglich weiterreichenden Richtlinien handelt – es sollte dabei das Kommunikationsrad drehen. Es gelte, die Aktivitäten branchenweit und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, rät Scheunemann: „Dadurch gestaltet sich die Akquise von weiteren Aufträgen leichter, denn nachhaltiges Denken insgesamt und somit auch entlang von Produktions- und Lieferketten gewinnt zusehends an Bedeutung“ (aus Creditreform Magazin 12/2011)

Phantastische Vielfalt

Es ist ein glücklicher Zufall, dass das 11. Deutsche CSR-Forum, das am 20. und 21. April 2015 in Ludwigsburg bei Stuttgart stattfindet, unter dem Motto „Phantastische Vielfalt“ steht. Es ist europaweit die größte und einflussreichste Veranstaltung, „auf der zwischen Unternehmen und der Zivilgesellschaft – wenn nötig auch hart – über Verhaltensregeln von Unternehmen, die Akzeptanz der Bürger und das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft gerungen wird“, sagt Wolfgang Scheunemann.

Ausdrücklich geht es darum, dass sich alle Beteiligten ernsthaft mit den Anforderungen von CSR und nachhaltiger Unternehmensführung auseinandersetzen. Leider missverstehen einige Unternehmen diese Themen noch immer als Mittel zum Greenwashing. Jedoch wird immer deutlicher, dass solche Verhaltensweisen dazu führen, dass sich kompetente und engagierte Mitarbeiter und potentielle Mitarbeiter von solchen Unternehmen abwenden, womit sich die Zukunftsfähigkeit dieser Unternehmen verschlechtert.“ Worauf es ihm im Rahmen der Veranstaltung ankommt, ist, vor allem gute Beispiele zu zeigen, an denen sich andere orientieren können. Das ist keine Frage der Unternehmensgröße, sondern eine Frage der Haltung und des Handelns.

So stellte Alain Caparros in seinem Impulsreferat beim 10. Deutschen CSR-Forum, das am 7. und 8. Mai 2014 stattfand, heraus, dass die „Machbarkeit von Nachhaltigkeit“ für ihn ein dringendes und letztlich entscheidendes Thema sei: REWE werde jeden Tag mit einer großen Anzahl von teils widersprüchlichen Ansprüchen konfrontiert, die nicht nur den niedrigsten Preis fordern, sondern auch soziale Fairness, Engagement für den Umweltschutz, Bioprodukte, Topservice, Sicherheit und höchste Qualität. Für Caparros ist das die Quadratur des Kreises und tendenziell unmöglich. Zusätzlich steht das Unternehmen einem sich ständig ändernden Konsumtrend und schlechten Wachstumsprognosen für den Einzelhandel gegenüber.

Auch beim Verbraucher lässt sich noch eine Diskrepanz feststellen: Der klare Trend zu mehr Nachhaltigkeit in Untersuchungen spiegelt sich in den täglichen Einkaufsentscheidungen nicht unbedingt wider. Händler sind deshalb umso mehr dazu aufgefordert, Produkte so zu entwickeln, dass diese den Ansprüchen nach sozialer und ökologischer Gerechtigkeit, aber auch nach günstigen Preisen gerecht werden. Jeder Kauf hat seiner Meinung auch Einfluss auf die Zukunft unserer Gesellschaft. Unternehmens- und Verbraucherverantwortung ist eine ökonomische Grundvoraussetzung.

Alain Caparros bezeichnet Anita Roddick als sein Vorbild. Einkaufen war für die legendäre Gründerin von The Body Shop ein politischer Akt. Sie hatte als eine der Ersten begriffen: Wenn Geld die Welt regiert, dann regieren vor allem jene, die es ausgeben.